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Über den Wolken: Daniela Glos zieht Tomaten auf 1.200 m

Daniela Glos unterrichtet an der Landwirtschaftsschule in Hohenems Gemüsebau. Im Gespräch mit Probier amol erzählt die sympathische Tirolerin von Tomaten auf 1.200 m Seehöhe, Gemüse als gesellschaftlichem Statement und  ihrem Lieblingsgemüse.

Probier amol: Daniela, eigenes Gemüse anzubauen – im Garten oder auf dem Balkon – liegt im Trend. Warum eigentlich?

Daniela Glos: Wir erleben, dass das Leben um uns herum immer schneller und hektischer wird. Ich glaube, dass es uns gut tut, den Kontakt zur Natur wieder herzustellen – uns buchstäblich zu erden.
Dadurch wirken wir der Entfremdung von den Dingen entgegen. Gerade die Welt der Gemüse kann mit allen Sinnen erlebt werden. In einer immensen Vielfalt können wir Kreisläufe in der Natur hautnah miterleben und entschleunigen uns, in dem wir uns in die vorgegebene Geschwindigkeit dieser Prozesse einordnen müssen.
Und gerade die öffentliche Skepsis gegen Saatgutkonzerne macht den Anbau von Gemüse insbesondere alter oder rarer Sorten oft auch zum bewussten Statement.

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Daniela Glos beim Probier amol-Experiment am BSBZ

Du baust ja tonnenweise Gemüse in Hohenems und auch zuhause an. Wenn du einen Tipp für Hobbygärtner loswerden kannst, welcher ist das?

Nur einen? (lacht) Zentral ist es aus meiner Sicht, Mut zu haben, sich auf das Garteln einzulassen, selbst Erfahrungen zu sammeln und klein zu beginnen. Jeder hat einen mehr oder weniger ausgeprägten grünen Daumen. Am wichtigsten aber ist es, den Pflanzen die Zeit zu geben, die sie brauchen. Schließlich wächst das Gras auch nicht schneller, wenn man daran zieht!

Jungpflanzen von Tomaten könnte man beispielsweise schon im Februar ziehen, die Pflanzen werden aber dünn und lang und wachsen schnell dem Licht entgegen. Das beschleunigt die Ernte nur vermeintlich, denn die Pflanzen, die ich erst im April starte, tragen gleich viel und sind gesünder und kräftiger.

Wenn ich mein Gemüse einkaufe, worauf achte ich da am besten?

Wenn  du dich an „saisonal, regional, bio“ hältst, machst du schon ganz viel richtig. Das das ganze Jahr über durchzuhalten, ist aber nicht einfach, denn im Winter stellt sich da mitunter Monotonie ein… Hier schaffen abwechslungsreich eingelegte Gemüse Abwechslung. Ich mag gern Paprika mit Schafkäse oder verschiedene Chutneys.

Ich achte sehr auf bio, und verzichte gerne und bewusst auf Lebensmittel, die im Moment keine Saison haben. In Tirol ist das durch die enge Zusammenarbeit von M-Preis mit den regionalen Produzenten etwas leichter, als in Vorarlberg.

Auf welches Gemüse freust du dich dann das ganze Jahr am meisten?

Als erstes auf Kopfsalat aus dem Garten. Der ist jung knackig, zart, einfach grün... Und dann natürlich die eigenen Tomaten - heuer zwanzig verschiedene Sorten! Denn Tomatenraritäten haben einen Gschmack, den wir von den Supermarktzüchtungen gar nicht mehr kennen: Süße, Säure, Sonnenreife - und jedes Exemplar ein Kunstwerk der Natur! Die ersten sind auf 1.200 Metern Höhe überigens schon reif!

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Seit den Protesten gegen Monsanto und Co ist der Anbau von eigenem Gemüse auch zum Statement geworden, meint Daniela Glos.

Daniela Glos ist in einer Gärtnerei  in Innsbruck groß geworden und Gemüsebauerin aus Leidenschaft. Diese gibt sie im Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum in Hohenems seit 2010 an angehende Bäuerinnen und Bauern, Kinder und Jugendliche und im Rahmen von Seminaren an Erwachsene weiter. Daniela lebt mit ihrem Mann nahe St. Anton am Arlberg, wo sie auch in 1.200 Metern Seehöhe Gemüse zur Hochform bringt.