Sport und Umweltschutz lassen sich heute immer weniger voneinander trennen. Große Wettbewerbe benötigen viel Energie, verursachen Verkehr und erzeugen erhebliche Mengen an Abfall, weshalb Veranstalter zunehmend nach nachhaltigeren Lösungen suchen. Gleichzeitig entstehen neue Sportarten, bei denen elektrische Antriebe oder erneuerbare Energien von Anfang an Teil des Konzepts sind. Besonders sichtbar ist diese Entwicklung im Motorsport, bei Sportstätten und bei der Organisation großer internationaler Turniere.
Wie der Sport umweltfreundlicher wird
Elektrische Antriebe
Im Motorsport ist die Elektrifizierung bereits besonders weit fortgeschritten. Die Formula E setzt ausschließlich auf elektrisch angetriebene Rennwagen und verbindet den Wettbewerb mit der Entwicklung von Technologien für die Elektromobilität. Auch die aktuelle Generation der Fahrzeuge nutzt regenerative Energierückgewinnung sowie recycelte Materialien und soll technologische Lösungen hervorbringen, die langfristig auch für Straßenfahrzeuge relevant sein können.
Auch bei Motorrädern wurde der elektrische Antrieb im Rennsport erprobt. Die MotoE war eine eigene elektrische Rennserie innerhalb des MotoGP-Umfelds und diente als Testfeld für elektrische Motorräder, Batterien, Ladetechnik und nachhaltigere Materialien. Nach der Saison 2025 wurde die Serie allerdings vorerst ausgesetzt, während MotoGP andere Wege verfolgt, unter anderem mit nicht-fossilen Kraftstoffen, die ab 2027 vollständig eingesetzt werden sollen.
Elektrische Antriebe beschränken sich zudem nicht auf Fahrzeuge an Land. Die UIM E1 World Championship setzt auf elektrisch angetriebene Rennboote und verbindet den Rennsport mit der Entwicklung sauberer Technologien für die Schifffahrt. Die Serie sieht sich dabei nicht nur als Wettbewerb, sondern auch als Plattform für elektrische Mobilität auf dem Wasser und für den Schutz von Küsten- und Meeresökosystemen.
Infrastruktur mit erneuerbaren Energien
Auch dort, wo der Sport selbst keinen elektrischen Antrieb verwendet, können Sportstätten ihren Energieverbrauch und ihre Umweltbelastung reduzieren. Stadien, Rennstrecken und andere Veranstaltungsorte setzen zunehmend auf erneuerbare Energie, effiziente Beleuchtung und einen geringeren Verbrauch von Wasser und Ressourcen. UEFA nennt bei nachhaltiger Sportinfrastruktur unter anderem Energie, Wasser, Transport, Bauweise und Abfallmanagement als zentrale Bereiche. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem:
- Photovoltaikanlagen auf Stadien und Sporthallen
- Nutzung von Ökostrom und erneuerbaren Energiequellen
- energieeffiziente Beleuchtung und Gebäudetechnik
- Wärmepumpen und effiziente Heiz- und Kühlsysteme
- Systeme zur Sammlung und Wiederverwendung von Regenwasser
- wassersparende Bewässerung von Sportplätzen
- intelligente Steuerung des Energieverbrauchs
- Ladestationen für Elektrofahrzeuge
Einige Sportveranstaltungen gehen noch weiter und versuchen, den gesamten Energiebedarf während eines Events möglichst aus sauberen Quellen zu decken. Bei SailGP wurden beispielsweise bereits Veranstaltungen mit Solarenergie, Bio-Methanol und anderen emissionsärmeren Energielösungen betrieben.
Verringerung des ökologischen Fußabdrucks großer Sportturniere
Der größte Teil der Umweltbelastung eines Sportereignisses entsteht nicht unbedingt während des eigentlichen Wettkampfs. Anreise der Fans, Transporte von Ausrüstung, Energieverbrauch, Catering, Übernachtungen und Abfall können einen erheblichen Anteil des gesamten Fußabdrucks ausmachen. Deshalb berücksichtigen große Veranstalter heute zunehmend den gesamten Lebenszyklus eines Turniers und versuchen, Emissionen bereits bei der Planung zu reduzieren. Auch in Österreich werden für sogenannte Green Events unter anderem klimafreundliche Anreise, Abfallvermeidung, Mehrwegsysteme sowie ein sparsamer Umgang mit Energie und Wasser empfohlen. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
- Anreise mit Bahn und öffentlichen Verkehrsmitteln fördern
- Shuttlebusse und andere klimafreundliche Transportmöglichkeiten einsetzen
- Logistik und Transporte effizienter planen
- Mehrwegbecher und wiederverwendbare Materialien verwenden
- Abfälle vermeiden, trennen und recyceln
- Lebensmittelverschwendung reduzieren
- regionale und saisonale Produkte beim Catering einsetzen
- digitale Tickets und Informationen statt Papier verwenden
- Energie- und Wasserverbrauch während des Turniers messen und reduzieren
- Umweltmaßnahmen transparent gegenüber Fans kommunizieren
Bei der UEFA EURO 2024 wurden beispielsweise Maßnahmen zur Förderung der Bahnanreise, zur Messung des CO₂-Fußabdrucks sowie zur Wiederverwendung, Reduzierung und Wiederverwertung von Materialien eingesetzt. Die UEFA verfolgt dabei einen 4R-Ansatz aus Reduce, Reuse, Recycle und Recover.
Rolle der Wettanbieter auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Sport
Auch Wettanbieter können solche Entwicklungen sichtbar machen und damit die Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppe auf nachhaltige Sportprojekte lenken. Neue Wettanbieter können beispielsweise zusätzliche Wettmärkte für aufstrebende Sportarten wie elektrische Rennserien anbieten und dadurch Wettbewerbe stärker in den Fokus ihrer Nutzer rücken. Gleichzeitig können Buchmacher während großer Veranstaltungen Informationen über Umweltprojekte, nachhaltige Mobilität oder Recyclingmaßnahmen bereitstellen und diese Inhalte mit ihren Sportangeboten verbinden.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Nachhaltigkeit in die eigene Sportkommunikation und in Marketingkampagnen einzubeziehen. Wettanbieter können beispielsweise Partnerschaften mit umweltorientierten Sportveranstaltungen eingehen, Beiträge über nachhaltige Technologien veröffentlichen oder Kampagnen rund um elektrische Rennserien und andere umweltbewusste Sportprojekte entwickeln. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen Sportwetten, aktueller Sporttechnologie und den Maßnahmen, mit denen Veranstalter ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren wollen.
Christopher Lang
Chefredakteur und schreibt für ProMol
Christopher Lang entwickelt die inhaltliche Ausrichtung der Website mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein.
Nils Hofmann
Chefredakteur bei ProMol
Nils Hofmann analysiert Umweltdaten, Emissionsstatistiken und Nachhaltigkeitskennzahlen.